Spielbericht: BVB gewinnt im Testspiel 2:3 gegen die Urawa Reds

  • Spielbericht: BVB gewinnt im Testspiel 2:3 gegen die Urawa Reds

    Erste Halbzeit
    Auch um 19:10 Uhr Ortszeit herrschen noch gute 30 Grad in Saitama. Das Spiel dürfte daher eine schweißtreibende Angelegenheit werden. Der BVB wird auch heute wieder vor allem damit beschäftigt sein, das neue Spielsystem unter Peter Bosz umzusetzen. Die ersten fünf Minuten werden denn auch damit verbracht, den Gegner zu studieren und das Spiel langsam aufzubauen. Es ist Lukasz Piszczek der erstmals Druck über die Außenbahnen macht und die Kugel vor das Tor flankt. Dort kann der Ball von Castro allerdings nicht verwertet werden. Erwartbar dominiert der BVB das Spielgeschehen wie zu erwarten, doch bisher halten die Japaner vor allem in der Abwehr dagegen. Zehn Minuten sind nun vergangen und der gesamte Spielaufbau sieht schon solider aus, als noch im Spiel gegen RW Essen. Insgesamt ein deutlich ruhigeres und kontrolliertes Spiel bis hierher. In der 14. Minute haut Marc Bartra das Leder per Kopf unter das Aluminium, nach Freistoß von Castro. Knappe Geschichte. 20 Minuten sind nun vergangen und Dortmund macht das Spiel, auch wenn es weiterhin an Zählbarem mangelt. In der 22. Minute kommen dann die Gastgeber vor das Dortmunder Tor und hauen den Ball an den Pfosten. Da war fast das 1:0. Glück für den BVB. Kurze Zeit darauf der nächste Angriff und diesmal schlenzt Koroki den Ball hinter Weidenfeller ins Tor. 1:0 für Urawa Red. Die Dortmunder lassen sich zunehmend das Spiel aus der Hand nehmen und es schleichen sich einige Fehler und Unachtsamkeiten ein. In der 32. flankt Schürrle vor das japanische Tor, aber wieder verpasst Pulisic den Ball. In der Folge schlägt Schürrle in der 35. Minute eine Ecke, die zunächst an den Mitspielern vorbeigeht, dann aber doch vor Bartras Füßen landet. Leider haut der Spanier ein Luftloch. Weidenfeller ist es nur zwei Minuten später, der das 2:0 der Japaner verhindern kann. Auch hier sah die Dortmunder Abwehr nicht gut aus. Bis zur Pause sind es vor allem immer wieder die Japaner, die Großchancen produzieren, während bei den Dortmundern nach vorne nicht mehr viel läuft. Der BVB wird nach der Pause nachlegen müssen.

    Zweite Halbzeit
    Die zweite Halbzeit beginnt mit zahlreichen Wechseln auf beiden Seiten, wobei vor allem die Dortmunder durchwechseln. Ferner stellt Bosz das Spielsystem auf ein 3-5-2 um. Die zweite Garde startet in den ersten 10 Minuten wieder deutlich offensiver ins Spiel. Nichtsdestotrotz bleiben die schnellen Japaner eine echte Gefahr für das Dortmunder Tor. Vor allem Mor ist es, der das Spiel nach der Auswechslung von Bartra vorantreibt und sich mit Einzelaktionen in den gegnerischen Strafraum kämpft. Wieder sind es dann aber in Minute 50 die Japaner, die auf den Dortmunder Kasten zustürmen und wieder ist es Weidenfeller der Schlimmeres verhindert. Auch in der Folge schafft es der BVB nicht, die Japaner zu kontrollieren. Immer wieder tauchen sie vor dem Dortmunder Tor auf, ohne dass sie wirklich gestört werden. In der 62. Minute kommt dann der Wechsel von Mario Götze, der Nuri Sahin ersetzt. Nach gut einem halben Jahr steht Mario damit erstmalig wieder auf dem Platz. Die Hälfte der zweiten Halbzeit ist vorbei und noch immer führen die Japaner mit 1:0. Der Dortmunder Anschlusstreffer lässt auf sich warten. 20 Minuten bleiben den geradezu hilflos agierenden Dortmundern, um zumindest den Ehrentreffer zu erzielen. Doch die japanische Abwehr steht gut und den Dortmundern fallen keine Mittel ein, um diese auch nur im Ansatz zu überwinden. Erst in der 75. gelingt es dann Emre Mor mit einer tollen Soloaktion von außen ans gegnerische Tor zu laufen und den Ball am Torwart vorbei ins Netz zu zirkeln. 1:1 für Dortmund. Nur zwei Minuten später ist es wieder Emre Mor, der die Dortmunder mit 1:2 in Führung bringt. Verdienter Doppelpack des jungen Türken. So schnell kann es gehen. Spiel gedreht, trotz phasenweiser Aussetzer und Probleme. Die 60 Minuten davor macht das natürlich nicht ungeschehen und auch jetzt gibt es weiterhin viele Fehler im Rest der Mannschaft. Das zeigt sich auch in der 85. Minute, als es Endo ist, der den Anschlusstreffer für die Japaner erzielt. Entgegen des teilweisen Spielverlaufs sind es dann aber wieder die Dortmunder, die nach einem Fehler der Japaner durch Andre Schürrle den 2:3 Siegtreffer setzen können. Der Torjäger lupft den Ball aus spitzem Winkel in den Kasten. Damit endet das Spiel nach drei Minuten Nachspielzeit mit einem glücklichen Sieg für die Dortmunder.

    Fazit
    Der BVB startet in Halbzeit eins äußerst druckvoll und dominant ins Spiel. Den Willen, es besser zu machen, als im ersten Testspiel, kann man in den ersten gut 20 Minuten erkennen. Der Spielaufbau läuft ruhiger und vor allem auch kontrollierter. So ist es eben auch der BVB, der immer wieder vor dem Tor der Japaner auftaucht. Ein Tor bleibt er allerdings schuldig. Spätestens ab der Mitte der ersten Halbzeit kippt das Spiel zunehmend und mit dem 1:0-Führungstreffer kommt die Unruhe zurück ins Spiel. Es reihen sich zahlreiche individuelle Fehler aneinander und das anfängliche Konzept bröckelt in sich zusammen. Beim BVB läuft danach nicht mehr viel, auch wenn er es immer mal wieder vor das gegnerische Tor schafft. Es sind jedoch die Japaner, die das Heft des Handelns in die Hand nehmen und den BVB mehrfach in arge Bedrängnis bringen. Der Pausenpfiff rettet in dem Moment vor schlimmeren Auswirkungen. Die zweite Halbzeit beginnt wie die erste - Der BVB kommt motiviert aus der Kabine und rennt zunächst gegen das japanische Tor an. Doch schon bald ergeben sich auch hier dieselben Fehler, wie schon in den ersten 45 Minuten. Es ist Emre Mor, der binnen zwei Minute mit einem Doppelpack das Spiel der Dortmunder rettet. Schürrle setzt dann noch ein 2:3 nach.

    Das Ergebnis täuscht ein wenig über den Status Quo hinweg. Die Japaner haben einen tollen Kampf geboten und haben den Dortmundern über weite Strecken das Leben schwergemacht. Nicht selten waren sie sogar die bessere Mannschaft auf dem Platz und so hätte sich auch niemand am Ende wundern dürfen, wenn der BVB dieses Spiel verloren hätte. Ein Unentschieden wäre nach dem Spiel wahrscheinlich das fairste Ergebnis gewesen. Aber Fußball funktioniert eben manchmal anders und so ist es der BVB der hier als Sieger vom Platz geht. Die Baustellen bleiben.

    Vor allem in der Abwehr tun sich beim BVB immer wieder Lücken auf oder das Stellungsspiel ist schlicht falsch. Die Japaner wissen diese Lücken zu nutzen und der BVB findet so kaum Mittel dagegen. Beim neuen System von Peter Bosz wird die Abwehr eine zentrale Rolle spielen und wenn der BVB seine Problemzone der vergangenen Jahre unter Kontrolle bringen will, dann bedeutet das noch jede Menge Arbeit. Auch Bosz wird das Problem erkannt haben. Das neue Spielsystem wird mit der Abwehr stehen und fallen.

    In der Summe lässt sich nach zwei Testspielen abschließend sagen, dass bisher noch kein tatsächliches Konzept erkennbar ist. Dazu ist die Zeit, welche Peter Bosz mit dem Team verbracht hat wohl auch zu kurz gewesen. Daher wirkt der BVB über weitere Strecken eher konzeptlos und versucht das Spiel über die individuelle Klasse zu gewinnen. Es ergibt sich ein Mischmasch aus allem und so richtig scheint niemand zu wissen, wo er sich wann aufzuhalten hat. Die Folge sind riesige Räume, die vor allem der Abwehr zu schaffen machen. Da wartet noch viel Arbeit auf Peter Bosz. Wirklich ändern wird sich all das wahrscheinlich frühestens erst nach dem Trainingslager Ende Juli. Bis dahin heißt es die Zähne zusammen zu beißen.

    Jetzt geht es für den BVB weiter nach China, wo man dann in einem Testspiel auf AC Mailand trifft. Ob sich bis dahin schon etwas am Dortmunder Spiel getan hat, darf bezweifelt werden. Dafür stehen zu viele PR-Termine auf dem Plan, welche ein vernünftiges Training unmöglich machen.

    Spieler
    Vor allem Marc Bartra weiß in dieser Partie zu überzeugen. Immer wieder versucht er mit Einzelaktionen gegen die schnell agierenden Japaner anzukommen. Er ist es auch, der in der ersten Halbzeit den Führungstreffer hätte erzielen können, wenn dieser nicht unter den Querbalken gegangen wäre. In der zweiten Halbzeit schafft es Emre Mor durch individuelle Klasse zwei Tore zu erzielen und empfiehlt sich damit bei Peter Bosz. Zwar vergisst der junge Türke des Öfteren, dass er nicht allein auf dem Platz steht, aber, wenn er es irgendwann schafft diese Schwächen abzustellen, dann könnte er beim BVB zukünftig eine wichtige Rolle spielen.

    Sebastian Rode fällt vor allem durch zahlreiche Fehlpässe und Ballverluste auf. Er schafft es auch in diesem Spiel nicht Peter Bosz von sich zu überzeugen. Ein Vereinswechsel wird auch ob der Leistung immer wahrscheinlicher.

    BVB
    TrainerPeter Bosz
    StartaufstellungWeidenfeller, Piszczek, Bartra, Toprak, Schmelzer (C), Sahin, Castro, Rode, Pulisic, Aubameyang, Schürrle
    WechselHalbzeitwechsel: Emre Mor für Pulisic, Alex Isak für Aubameyang, Neven Subotic für Bartra, Dan-Axel Zagadou für Rode, Sokratis für Toprak - 62. Minute Mario Gütze für Sahin - 66. Minute Passlack für Piszczek
    Ersatzbank-
    Tore75. Minute - 1:1 Emre Mor
    77. Minute - 1:2 Emre Mor
    88. Minute - 2:3 - Schürrle
    Gelbe Karten86. Minute - Gonzalo Castro
    Rote Karten-
    Verletzungen-


    Urawa Red Diamonds
    TrainerMichael Petrovic
    StartaufstellungNishikama – Morimaki, Endo, Makino – Sekine, Kashiwagi, Abe, Ugajin, Muto, Koroki - Silva
    Wechsel-
    Ersatzbank-
    Tore23. Minute - 1:0 - Koroki
    85. Minute - 2:2 - Endo
    Gelbe Karten-
    Rote Karten-
    Verletzungen-


    Infos
    Schiedsrichter-
    StadionSaitama Stadium
    Zuschauer63.700
    Zeitpunkt15.07.2017 - 12:10

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