Die Kehrseite der Medaille, oder warum Zahlen nicht alles sind

  • @Marvin hat in seinem Blog Thomas Tuchel - Ein Abschied in Zahlen sehr gut herausgearbeitet, was Tuchel für den BVB alles geleistet hat. Danke dafür.

    Ich bin jedoch der Meinung, dass man bei einem Trainer, der zum einen Vorgesetzter und nicht zuletzt Pädagoge ist, die menschlichen Qualitäten nicht außer Acht lassen darf.
    Wenn ich die 2 Jahre seiner Amtszeit revuepassieren lasse, waren da schon einige Fauxpas bei.
    Hier aus meiner Erinnerung heraus mal die gröbsten Schnitzer:

    - Streit mit Chef-Scout Mislintat
    - Kapitänsfrage in der Winterpause
    - Pressekonferenz Frankfurt
    - Pressekonferenz Darmstadt
    - Fehlende Kommunikation mit aussortierten Spielern (Neven, Kuba)
    - Nichtberücksichtigung von ungeliebten Spielern (Merino, Isak)
    - Art und Weise der Ausbootung von Nuri beim Pokal-Endspiel
    - Widersprüche (Aussage gegen Aussage) betreff Nachholspiel Monaco
    - Umgang mit Mitarbeitern der Geschäftsstelle
    - Twitter-Gate nach der Entlassung

    Ich war anfangs einer der größten Tuchel-Gegner. Das Bild relativierte sich erst in dieser Rückrunde.
    Gründe waren eine Annäherung an uns Fans (Aussagen rund um die Vorfälle RBL und Südtribünensperre) und sein Management rund um den Anschlag.
    Jetzt ertappe ich mich dabei zu überlegen, was davon echt war und was kühle Berechnung, um genau uns auf die Seite zu ziehen und Aki als Buhmann hinzustellen, da sich seine Demission anbahnte.
    Und mit vielem was ich über Aki lesen muss, ist der Plan aufgegangen.
    Zu allem, was ich beschrieben habe (und selbst wenn Tuchel nur an 50% allein die Schuld trägt), kommt das Zeugnis, dass Aki ihm mit seinem offenen Brief ausgestellt hat:

    - Misstrauen
    - Respektlosigkeit
    - Teamunfähigkeit
    - Kommunikationsunfähigkeit
    - Fehlende Authentizität
    - Mangelnde Identifikation
    - Unzuverlässigkeit
    - Illoyalität

    Ich schätze Aki so ein, dass er die Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen hat.
    Zudem er mehrmals davon spricht, dass alle Gremien innerhalb des BVB einstimmig der Entlassung zugestimmt haben.
    Tuchel muss einen gewaltigen Vertrauensbruch begangen haben, um sich diese schallende Ohrfeige abzuholen.
    Sollten diese Vorwürfe nur ansatzweise zutreffen, war Tuchel, bei allen unumstrittenen Erfolgen, nicht mehr tragbar für den Verein.
    Watzke wird gewusst haben, dass er für diese Entscheidung die volle Breitseite der Öffentlichkeit abbekommt.
    Gerade deshalb glaube ich ihm, dass er nur zum Schutz des BVB gehandelt hat und dafür sollten wir ihm dankbar sein.
    Fußball-Fans sind keine Verbrecher!!!



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Kommentare 4

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    09th -

    Denke auch die Kündigung hatte keinen fachlichen sondern einen reinen empathischen Hintergrund. Viel zu oft hat Tuchel eben sich nicht in die andere Seite hineinversetzt oder es versucht. Vermutlich kann er es als reiner Kopfmensch und Taktikfernatiker auch gar nicht. Die Trennung war blöd konnte aber wohl nur so erfolgen und du hast perfekt alle Gründe beschrieben.

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    Marvin -

    Man kann wohl attestieren, dass Tuchel diverse soziale Defizite hat. Wie stark diese nun ausgeprägt sind will ich, auch aus Respekt vor Tuchel, aus der Ferne nicht bewerten. Dass diese Gesamtproblematik letztendlich zum Zerwürfniss innerhalb des Vereins geführt hat, daran habe ich keine Zweifel. Zumindest in der reinen Theorie wäre ein solcher Fall nicht undenkbar. Was wirklich intern passiert ist, können wir nur bruchstückhaft bewerten. Was mich indes wunder ist, dass man derlei Wortmeldungen nicht während oder nach seiner Zeit bei Mainz gehört hat oder gar aus früheren Stationen. Oder kenne ich diese einfach nur nicht?

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      Bdn130671 -

      Mainz soll unsere Verantwortlichen vor der Verpflichtung gewarnt haben. Und sein degradierter Torhüter aus Mainzer Zeiten hat sich auch dahingehend geäußert, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis es so kommt.

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      Marvin -

      Danke dir für die Aufklärung. Ich hatte das so gar nicht mehr auf dem Schirm, aber ich habe auch ein Hirnsieb. Von daher nicht verwunderlich.