Schwarzgelb fährt (schon wieder) nach Berlin!

  • Die letzte verbliebene Titelchance wollte sich Borussia Dortmund mit allen Mitteln wahren. Im DFB-Pokal-Halbfinale ging es für Schwarzgelb nach Berlin - und da wollte man in einigen Wochen bestenfalls nochmals hinreisen dürfen. In einem zähen Spiel, das man zwar dominierte, in dem die Berliner mit ihrerm Defensivverhalten jedoch einige Schwierigkeiten bereiteten, spielte Gonzalo Castro den Dosenöffner. Sein Distanzschuss nach zwanzig Minuten fand den Weg in die Maschen und zur Führung. Und auch wenn Jens Hegeler quasi mit dem Halbzeitpfiff eine ganz große Chance zum Ausgleich bekam, schien ein Finaleinzug für Schwarzgelb nie gefährdet. In der zweiten Halbzeit sorgte Marco Reus mit seinem Treffer für die Vor- und Henrik Mkhitaryan wenig später für die endgültige Entscheidung. Im Finale trifft Borussia Dortmund nun auf den FC Bayern München. Der Rekordmeister hatte sich gestern mehr oder minder souverän mit 2:0 gegen Werder Bremen durchgesetzt und war ins Finale eingezogen. Das Finale wird also das weitestgehend erwartete sein. Auch ein Favorit lässt sich dabei nicht bestimmen. 2012 gingen die Dortmunder mit einem 5:2-Erfolg vom Platz, 2014 siegte Bayern München in der Nachspielzeit. Spannung garantiert.


    Ausgangslage

    Dieses Spiel ließen sich auch Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff nicht entgehen. Schon mit einem Blick auf die Daten konnte man von einem Topspiel sprechen. Dazu kam die Tatsache, dass es ein Pokalspiel war. Die Berliner wollten endlich einmal mit ihrer Mannschaft ins Pokalfinale, das zwar jedes Jahr in ihrem Stadion ausgetragen wird, sie bisher allerings ausschloss. Borussia Dortmund hingegen hatte das Vorhaben, sich den Traum eines Titels zur Krönung der gelungenen Saison zu erfüllen. Das Motto: Über Berlin nach Berlin. Am gestrigen Dienstag war Bayern München bereits mit einem 2:0-Erfolg über Werder Bremen relativ souverän ins Finale eingezogen. Heute also entschied sich, wer der Gegner des Rekordmeisters werden sollte. Doch während es für die "alte Dame" die Kirsche auf der Sahnetorte gewesen wäre, ging es bei Schwarzgelb um mehr. Das Europa-League-Aus in letzter Minute war noch immer nicht vollständig überwunden und in der Bundesliga konnte sich Bayern München eigentlich schon Deutscher Meister nennen, auch wenn dieser Titel rechnerisch noch nicht gesichert war. Borussia Dortmund ging es also um die letzte verbliebene Titelchance - und diese wollten sie nutzen.


    Personal

    Pierre-Emerick! Der Topstürmer fehlte. Aubameyang hatte sich unter der Woche eine Knochenabsplitterung in einem Zeh zugezogen. Afrikas Fußballer des Jahres zeigte sich lange Zeit optimistisch, seine Mannschaft im Halbfinale unterstützen zu können. Erst die ärztliche Untersuchung zerstörte diese Träume. Damit gesellte sich Aubameyang zu Neven Subotic, der aufgrund einer Thrombose im Arm nicht zur Verfügung stand. Doch auch Pal Dardai auf Seiten der Berliner musste auf zwei Spieler verzichten. Sami Allagui und Vladimir Darida standen noch nicht wieder zur Verfügung. Somit baute Dardai etwas um. Er ließ seine Mannschaft in einem 4-2-3-1-System antreten, in dem Vedad Ibisevic eigentlich als Mittelstürmer gelistet war. Doch hauptsächlich mauerten die Gastgeber mit allen Mitteln - gleichbedeutend mit zehn Verteidigern. Thomas Tuchel dazu der Gegensatz, zwar ließ auch er in einem 4-2-3-1 spielen, doch war sein System deutlich offensiver ausgerichtet. Vor der Abwehr spielten diesmal Julian Weigl und Gonzalo Castro, wobei Castro den deutlich offensiveren Part im zentralen Mittelfeld übernahm und Weigl auf der Sechs agierte. In der Sturmspitze war es Adrian Ramos, der die Aufgaben, die normalerweise für Aubameyang bestimmt sind, übernahm.


    Spielverlauf

    Von Beginn an warfen sich beide Mannschaften in dieses Halbfinale. Deutlich wurde es spätestens nach etwas mehr als zehn Minuten, als Gonzalo Castro mit einer blutenden Platzwunde den Rasen verlassen und sich an der Bank behandeln lassen musste. Unerwartet war der Spielbeginn allerdings nicht. Borussia Dortmund machte das Spiel während sich Hertha BSC darauf konzentrierte, die Gegenspieler aus dem eigenen Strafraum fern zu halten. Es gelang nicht immer, auch wenn Schwarzgelb selber nicht zu wirklich nennenswerten Torchancen kam. Die erste wirklich Torchance gab es in der 20. Spielminute. Henrikh Mkhitaryan legte den Ball auf der rechten Seite Shinji Kagawa in den Lauf. Der Japaner zog an und brachte den Ball letztlich flach in die Strafraummitte. Erster an der Kugel war jedoch ein Berliner. Bloß konnte dieser nur abfälschen und so landete das Leder genau und zentral auf dem Fuß des eben erwähnten Gonzalo Castros. Unbeeindruckt zog dieser ab und platzierte seinen Schuss exakt im Winkel. Keine Chance für Keeper Jarstein und die Führung für Borussia Dortmund.

    Nur fünf Minuten nach dem Führungstreffer, hatte Marco Reus die vorzeitige Entscheidung auf dem Fuß. Nach einer Hereingabe von Marcel Schmelzer stand der Nationalspieler relativ frei vor dem Tor und konnte abziehen. Einziger Haken: Sein Schuss rauschte über die Querlatte hinweg. Als man im Anschluss daran auch noch den Berlinern mehr Spielanteile gewährte, war bei Thomas Tuchel die Geduld vorbei. Er schlug mit der Hand gegen seinen Sitz auf der Trainerbank und zeigte deutlich, dass er mit der jüngsten Entwicklung alles andere als zufrieden war. Es dauerte einige Minuten bis Schwarzgelb die vollständige Kontrolle über das Spielgeschehen zurückgewinnen konnte. Marcel Schmelzer und Marco Reus versuchten es etwa fünf Minuten vor Ende der ersten Halbzeit mit zwei ordentlichen Torchancen, auch wenn der eine an Innenverteidiger Niklas Stark und der andere an Torhüter Jarstein scheiterte. Auf den Kopf hätte es quasi mit dem Halbzeitpfiff beinahe noch Jens Hegeler gestellt. Der 28-jährige konnte komplett freistehend im gegnerischen Strafraum abziehen, nachdem Mitchell Weiser ihm den Ball von rechts durchgesteckt hatte. Hegelers Schuss, gleichzeitig die erste Torchance der Berliner, landete letztendlich aber doch in den Armen Roman Bürkis.

    Nach Wiederanpfiff ging es gewohnt weiter. Während sich die Berliner auf ihre Defensive konzentrierten, spielte Borussia Dortmund munter auf. Schwarzgelb gestaltete es allerdings spannender als unbedingt nötig. Man erhöhte nicht auf das so wichtige zweite Tor. Stattdessen kam die "alte Dame" ab der 60. Minute mehr und mehr ins Spiel zurück. Pal Dardai versuchte diesen sich bildenden Offensivtrend zudem weiter zu verstärken und brachte mit Alexander Baumjohann und Julian Schieber zwei Offensivspieler. Nachteil daran, dass man dafür die Defensive ein wenig lockern musste. Die Folge: Flanke von rechts, Kopfball von Schmelzer in die Strafraummitte und den Abschluss von Ramos konnte Jarstein gerade noch abwehren. Schwarzgelb konnte einfach die sich ihnen bietenden Torchancen nicht verwerten und musste stattdessen mit ansehen, wie Berlin immer offensiver und mutiger wurde. In der 74. Minute flog ein Kopfball Salomon Kalous nur knapp am Dortmunder Gehäuse vorbei. Anderthalb Minuten später jedoch rutschte Brooks aus und verlor den Ball. Kagawa erlief diesen und am kurzen Pfosten war Marco Reus eiskalt. Sein Schuss in die Maschen war nicht nur das zweite Tor, sondern auch die Vorentscheidung.

    Weiter ging es mit einer Auswechslung. Thomas Tuchel nahm den rotgefährdeten Gonzalo Castro vom Feld und brachte Ilkay Gündogan. Der setzte mit einem Aluminium-Treffer eine Minute später direkt mal ein Zeichen - nur in der Zeitlupe zu sehen: Jarstein fälschte die Kugel gerade noch mit den Fingerspitzen ab. Jetzt waren die Berliner allerdings gebrochen. In der 83. Minute spielte Kagawa auf Reus ab, der sich in den Strafraum dribbelte. Kurz vor Keeper Jarstein legte er den Ball quer und Henrikh Mkhitaryan hielt nur noch den Fuß rein. Drittes Tor. Entscheidung. Danach spielte Schwarzgelb es locker zu Ende und zieht verdient ins Finale des DFB-Pokals ein. Gegner: Bayern München. Gute und schlechte Erinnerungen. 2012 siegte man sensationell mit 5:2 über den deutschen Rekordmeister, 2014 verlor man das Finale in der Nachspielzeit. Die letzte Begegnung im DFB-Pokal gab es im vergangenen Jahr. Damals ging es bereits im Halbfinale gegen die Münchner. In einem hochdramatischen Duell setzte sich Borussia Dortmund im Elfmeterschießen durch und zog ins Pokalfinale ein - auch wenn man dort am VfL Wolfsburg scheiterte.


    Hertha BSC

    Startformation: Rune Jarstein (TW) – Mitchell Weiser, Niklas Stark, John Anthony Brooks, Marvin Plattenhardt – Per Ciljan Skjelbred, Fabian Lustenberger (C) – Genki Haraguchi, Jens Hegeler, Salomon Kalou – Vedad Ibisevic

    Einwechslungen: Alexander Baumjohann für Jens Hegeler (62.), Julian Schieber für Genki Haraguchi (65.)

    Ersatzspieler: Thomas Kraft (ETW), Sebastian Langkamp, Peter Pekarik, Johannes van den Bergh, Valentin Stocker, Alexander Baumjohann, Julian Schieber

    Trainer: Pal Dardai


    Borussia Dortmund

    Startformation: Roman Bürki (TW) – Lukasz Piszczek, Sven Bender, Mats Hummels (C), Marcel Schmelzer – Julian Weigl, Gonzalo Castro – Henrikh Mkhitaryan, Shinji Kagawa, Marco Reus – Adrian Ramos

    Einwechslungen: Ilkay Gündogan für Gonzalo Castro (77.), Erik Durm für Marcel Schmelzer (84.)

    Ersatzspieler: Roman Weidenfeller (ETW), Erik Durm, Sokratis, Moritz Leitner, Nuri Sahin, Ilkay Gündogan, Christian Pulisic

    Trainer: Thomas Tuchel


    Informationen

    Anstoß: Mittwoch, 20. April 2016, 20:30 Uhr

    Wettbewerb: DFB-Pokal, Halbfinale

    Tore: 0:1 Gonzalo Castro (20., Shinji Kagawa), 0:2 Marco Reus (76., Shinji Kagawa), 0:3 Henrikh Mkhitaryan (82., Marco Reus)

    Gelbe Karten: Marvin Plattenhardt (72.) | Gonzalo Castro (70.)

    Schiedsrichter: Deniz Aytekin (Oberasbach, Bayern)

    Assistenten: Christian Dietz, Benjamin Cortus; Peter Sippel

    Stadion: Olympiastadion, Berlin

    Zuschauer: 72.649 (ausverkauft)

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