Wo der Fußball zum knallharten Geschäft wird

  • Vor wenigen Tagen hatten wir hier im Forum die Diskussion um die Wichtigkeit einiger Spieler der Kategorie "Superstars" für die Bundesliga. Und ich hatte geschrieben, dass ich dazu möglicherweise einmal einen Blog schreiben werde, was ich nun getan habe. Dabei möchte ich nochmal darauf eingehen, warum ich der Ansicht bin, dass Abgänge von Spielern wie Robert Lewandowski, Pierre-Emerick Aubameyang, Marco Reus oder Manuel Neuer einen massiven Verlust für die Bundesliga darstellen würden. Und eine nicht unwichtige Rolle spielt dabei die Erschließung neuer Märkte – dort, wo auch Premier League und Primera Division noch keine Vormachtstellung bezogen haben.

    In der eigentlich nicht ganz so großen Diskussion im Forum ging es um einen möglichen Wechsel von Robert Lewandowski nach Spanien. Während es einigen Usern egal war und sie keinerlei Probleme mit einem Wechsel des polnischen Nationalspielers hätten, habe ich etwas weiter gedacht und dabei den sportlichen Verlust für den FC Bayern München einmal in den Hintergrund geschoben. Sportlich wäre ein Verlust Lewandowskis sowohl für den Rekordmeister als auch für die Bundesliga meiner Einschätzung nach ohne größere Schwierigkeiten zu verkraften, doch in Sachen Marketing, würde sein Weggang einen schweren Verlust darstellen. Ein Verlust, den man nicht so einfach verkraften könnte.

    Lewandowski gehört zu den Aushängeschildern der Bundesliga. Reihenweise brach er in den vergangenen Jahren Rekorde. Seit seinem Wechsel im Jahr 2010 aus der polnischen Liga zu Borussia Dortmund machte er eine rasante Entwicklung. Seine Bilanz ist hervorragend. Drei Meisterschaften (2011 und 2012 mit Borussia Dortmund, 2015 mit dem FC Bayern) und die vierte fest im Blick und jeweils einmal DFB-Pokalsieger (2012) und Deutscher Superpokal-Sieger (2013, beide mit Borussia Dortmund). Nicht zu vergessen seine zwei Auszeichnungen als Torschützenkönig (2012 und 2014). Heute gehört der 27-jährige zu den besten Mittelstürmer der Welt – auf einer Ebene mit noch vor wenigen Jahren unerreichbar geglaubten Größen wie Karim Benzema, Gonzalo Higuain oder auch Zlatan Ibrahimovic.

    Man kennt ihn! Nicht nur in Deutschland! Seinen Namen verbindet man mit der Bundesliga. Ebenso wie die Namen Aubameyang, Reus, Neuer oder Müller. Seit dem UEFA-Champions-League-Finale zwischen den beiden größten deutschen Klubs ist die Liga bekannter als je zuvor. Wo Barcelona Messi, Suarez und Neymar hat, hat der FC Bayern Müller, Lewandowski und Costa. Wo Real Madrid Ronaldo, Benzema und Bale hat, hat Borussia Dortmund Reus, Aubameyang und Mkhitaryan. Solche Angriff-Trios machen Klubs bekannt. Und gerade wenn es darum geht neue Märkte für sich zu gewinnen, sind solche Namen entscheidend. Denn es reicht nicht, ein- oder zweimal im Jahr nach Dubai ins Trainingslager zu reisen – oder in die United States.

    Jetzt gilt es, den arabischen und den (US-)amerikanischen Raum für sich zu gewinnen. Denn gerade dort liegt aktuell das meiste Geld. Wenn man sich einmal anschaut, was Amerikaner an Geld in Fanartikel im American Football investieren, ist der Fußball selbst in Europa ein kleines Licht. Wo in Deutschland steigende Trikotpreise kritisiert werden, ist es in Amerika keine Seltenheit, dass ein Trikot (beispielsweise das derzeitige Seahawks-Trikot von Russell Wilson) auch mal 150 US-Dollar kostet. Aber während sich in Deutschland viele angesichts solcher Preise kein Trikot mehr kaufen würden, verkauft es sich dort noch immer – Angebot und Nachfrage regeln den Preis.

    Natürlich muss man sich bewusst sein, dass Fußball in den United States niemals an den American Football herankommen wird, doch er befindet sich momentan zumindest auf dem Vormarsch. Jürgen Klinsmann hat den Grundstein gelegt, Klubs wie Bayern München, Schalke 04 und Bayer Leverkusen haben mit dortigen Trainingslagern und Presseterminen weiter gebaut. Doch auch Klubs aus England und Spanien haben das Potenzial des amerikanischen Marktes erkannt. Jetzt ist die entscheidende Frage, welche Liga ihr Haus in den Staaten am schnellsten gebaut bekommt. Um jedoch eine Chance gegen den neuen TV-Vertrag der Premier League und die damit verbundenen Milliarden für die englischen Klubs zu haben, muss dieses Duell gewonnen werden.

    Und eben dabei sind bekannte Spieler zwingend notwendig. Würde Lewandowski die Bundesliga verlassen, würde man zwar immer noch seinen Namen kennen, doch nicht mehr auf die Bundesliga schauen. Ebenso verhält es sich bei Spielern wie Aubameyang. Diese Spieler zeichnen sich nicht nur durch ihre sportlichen Leistungen aus, entscheidend ist ihre Außendarstellung in Medien und Sozialen Netzwerken. Und gerade dort kann sich die Bundesliga sehr glücklich schätzen, dass sie derart aktive Spieler und Klubs im Internet hat. Denn die Liga an sich hängt in Sachen Internetpräsenz der Premier League und der Primera Division, sogar der Serie A ein ganzes Stück hinterher. Eigentlich müssten DFB und DFL deutlich größer in ihre Internetauftritte investieren.

    Es geht um die Optimierung von Trikot- und Fanartikelverkäfen außerhalb Europas. Und dort ist eben einzig das Internet das entscheidende Bindeglied zwischen potenziellen Fans und der Liga bzw. den Klubs. Auch dabei ist entscheidend: Wer den besten Internetauftritt hat, hat die besten Chancen neue potenzielle Fans für sich zu gewinnen. Jedes halbe Jahr ein oder mehrere Trainingslager von mehreren Klubs in der amerikanischen, aber auch der arabischen Welt gehören zwangsläufig dazu. Innerhalb Deutschlands jedenfalls, dürfte der Fußball seinen Höhepunkt erreicht haben – maximal sind nur noch geringfügige Einnahmesteigerungen möglich (beispielsweise durch Ticket- und Trikotpreise). Aber außerhalb Europas hat man ein gewaltiges Entfaltungspotenzial.

    Und wer sagt denn, dass es für den Fußball in Amerika nicht genau so laufen kann, wie gerade für den Football in Europa? Doch eines möchte ich dabei unterscheiden: Bitte keine Bundesliga-Spiele außerhalb Europas austragen! Dann lieber für die Fans Wochenendreisen in Europa anbieten, mit dem vollen Fußball-Programm. Aber davon ist man aktuell noch sehr weit entfernt. Wichtig ist erst einmal, dass man zeigt, dass auch die Bundesliga "Superstars" besitzt und vor allem auch halten kann. Dabei werden im Duell zwischen den drei oder auch vier europäischen Top-Ligen die kommenden Jahre (möglicherweise auch Jahrzehnte) entscheidend sein.

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