Warum Roman Bürki die Zukunft im Dortmunder Tor gehört

  • Er gehört zu den aktuell am heißesten diskutierten Spielern hier und in anderen Fußball-Foren. Die Rede ist von Roman Bürki. Bürki, der zu Saisonbeginn für die geringe Ablösesumme von 3,5 Millionen Euro aus Freiburg nach Dortmund gewechselt war und in der Hinrunde nicht fehlerlos blieb ist dennoch als Nummer eins gesetzt - auch wenn einigen Fans diese Tatsache missfällt. Da ich im Forum zu denjenigen gehöre, die auch weiterhin an Bürki glauben, habe ich mich beschlossen, zu dem Thema einen Blog zu verfassen. Und zwar, warum ich der Ansicht bin, dass Bürki die Zukunft im Dortmunder Tor gehört.

    Nicht selten wurde an ihm Kritik geübt - zuletzt wurde Bürki sogar von einigen Fans für die Niederlage gegen den 1. FC Köln (mit)verantwortlich gemacht. Und man kann es nicht wegdiskutieren! Er machte diesen Fehler in Köln und spielte den Ball auf den bedrängten Weigl. Ebenso, wie er den Ball gegen den VfL Wolfsburg Bas Dost in die Füße spielte - nur dass er diesmal nicht mehr das Gegentor verhindern konnte. Stattdessen ließ Zoller die Kugel zum Ausgleich einschlagen und Bürki, der bis dahin fehlerfrei gehalten hatte, war auf einmal "der Dumme". Der Schuldige war gefunden, auch wenn die meisten Feldspieler zu diesem Zeitpunkt ihren Dienst bereits seit längerer Zeit quittiert hatten.

    Solche Fehler trüben das Bild des 25-jährigen, da sie einfach sehr viel deutlicher im Gedächtnis bleiben. Dass er in Köln zuvor mit zwei herausragenden Paraden seine Mannschaft im Spiel gehalten hatte, wird da schnell einmal verdrängt. Ebenso wie man sich nicht mehr an andere Spiele erinnern kann, in denen Bürki brillierte. Da wäre beispielsweise die Partie in Mainz gegen den FSV (0:2). Der Schweizer sorgte dafür, dass die Null stand. Der "Kicker" urteilte anschließend: "Wie gewohnt stark auf der Linie, nun auch in der Strafraumbeherrschung: Roman Bürki hielt die Null fest in den engen Phasen der Partie." - und ernannte ihn zum Spieler des Spiels.

    Aber dem an seinen "Kicker"-Noten gemessen zweitbeste Torhüter der vergangenen Spielzeit haftet noch immer der Ruf des "Unsicherheitsfaktors" an. Ein wenig verständlich, wenn man sich ansieht, wie er beim Spiel gegen den Rekordmeister patzte. Auch solche Aktionen, wie eben diese Fehlpässe, die anschließend brandgefährlich werden, verfestigen diesen Eindruck. Doch warum war er in Freiburg bei einem Absteiger dermaßen gut und sicher, während er nun von seinen Kritikern als "Unsicherheitsfaktor" abgestempelt wird?

    Ich sehe das Problem darin, dass er beim Sport-Club so oft gefordert war, dass einerseits einige seltene Fehler nicht so schwer ins Gewicht fielen und andererseits er durch die regelmäßigen Herausforderungen stets hochkonzentriert war. Doch Borussia Dortmund ist ein Verein mit Champions-League-Ambitionen und statt Torschüssen im zweistelligen Bereich, sieht sich Bürki dort nur noch mit drei oder vier Torschüssen innerhalb der 90 Minuten konfrontiert. Sowas ist für jeden Torhüter eine Umstellung und ich ziehe da den Vergleich zu Manuel Neuer (schon wieder) und verweise auf dessen erstes Jahr in München. Mit einem "Kicker"-Notendurchschnitt von 3,12 aus 33 Bundesliga-Spielen war er nur minimal besser, als Bürki es aktuell nach erst 17 Spielen ist (Notendurchschnitt: 3,18).

    Ebenso wird hin und wieder gerne die Theorie aufgestellt, dass Bürki keine wirkliche Verbesserung zu Roman Weidenfeller sei, was das Mitspielen angeht. Böse behauptet, hätte er ebenso wenig Talent in den Füßen wie sein 35-jähriger Kollege und Konkurrent. So ist sie nicht weit her: Die Forderung, dass die langjährige alte Nummer eins auch die neue Nummer eins wird. Nicht umsonst hatte Weidenfeller seinen Anteil an den drei überragenden Jahren mit zweimaliger Meisterschaft, einem Pokalsieg und dem Champions-League-Finale. Die vergangene Spielzeit, in der er teilweise spöttisch in "Weidenfehler" umbenannt wurde, scheint da ein wenig verdrängt zu werden - hätte man doch sowieso viel lieber noch den Ersatztorhüter Mitchell Langerak, der in fünf Jahren zu 19 Bundesliga-Einsätzen mit 24 Gegentoren kam.

    Doch Bürki besitzt sie: Die Qualität im Fuß. 74 Prozent seiner Pässe brachte er in seinen Bundesliga-Spielen in Schwarzgelb an den Mann. Zum Vergleich: Bei Weidenfeller war es in der Saison 2014/15 eine Passquote von 63 Prozent. Allerdings blenden auch hierbei immer wieder die Situationen, in denen der Schweizer den Ball nicht zum Mitspieler brachte. Und genau das bleibt in Erinnerung. Es ist genau die selbe Situation wie bei Mats Hummels: Gehört zu den erfolgreichsten Zweikämpfern der Liga, doch was bleibt sind die verlorenen Zweikämpfe, aus denen teilweise sogar Gegentore resultierten. Ein Torwart besitzt einfach nicht so viele Möglichkeiten, sich in die Köpfe der Fans zu spielen. Nur selten heißt es nach dem Spiel: "Mensch, der hat mal wieder super gehalten!". Viel mehr überwiegt: "Hast du den Aubameyang gesehen?! Weltklasse diese Tore!". Und schon ist die Torwartleistung beinahe in Vergessenheit geraten.

    Letztlich wird sich Bürki aber durchsetzen - eben weil er schon jetzt sehr starke Ansätze zeigt. Einzig benötigt er dafür auch Zeit. Der Wechsel von einem Absteiger zu einem Topklub ist niemals einfach und bedarf einer Zeit der Eingewöhnung. Sobald er diese hinter sich hat, bin ich davon überzeugt, hat er sich zur unumstrittenen Nummer eins in Dortmund entwickelt. Mit 25 Jahren ist er zudem noch relativ jung für einen Torhüter - oder anders gesagt, kann er noch locker zehn Jahre auf Topniveau spielen. Lässt man ihm diese Saison also - und setzt ihm in der kommenden keinen neuen Torhüter vor die Nase - wird er seinen Weg gehen. Und auch die Erfahrung wird mit der Spielpraxis nach und nach kommen. Genau deswegen gehört Roman Bürki die Zukunft im Tor der Schwarzgelben!

    809 mal gelesen

Kommentare 2

  • Benutzer-Avatarbild

    bvbRotti -

    Vorneweg geschrieben: Natürlich wünsche auch ICH ihm, dass er seinen Weg gehen wird - ob das nun bei UNS eine so lange Zeit sein wird, wie bei Roman 1.0, lasse ich mal dahingestellt. *** Komme ich zu meinen Einschätzungen, finde ich zwar Statistiken (teilweise) überaus interessant, aber orientiere mich eher an meiner Wahrnehmung, wenn es um Fußball geht. STATISTISCH gesehen hätte NEUER letzte Saison gar nicht auftauchen dürfen, weil er keine Leistung brachte (OK, überspitzt!). Er brauchte es auch nicht! Feddich! Die Abwehr hat alles von ihm ferngehalten - was also ist er jetzt? 'Ne Nulpe, weil er keine Statistik hat? Wohl kaum! *** Ich sehe Spiele und entscheide, wie ich jemanden empfinde. Und wenn jemand - wiederum überspitzt - 99% alles in der Abwehr weghaut, beim Stand von 0:0 aber EINMAL patzt, was dann? Wenn wir schon bei Statistiken sind, WIE sieht dann die WICHTUNG aus? Wie würde ein "Scheiße" in der eben beschriebenen Situation in die Statistik einfließen? Oder werden alle Szenen gleich bewertet? So viel zu MIR und MEINER Einschätzung/Einordnung! Statistik KANN ordentlich sein, wenn aber ein Finale dadurch inne Wicken is, dann jammern alle. Kommt dann auch jemand und sagt: Eigentlich war seine Statistik gut! Hier würde es wohl großes Gelächter geben! *** Die Spiele, die ich gesehen habe, fand ich Roman 2.0 einfach nicht OK - nicht-OK als GESAMTES Bild. Er spielt gut auf der Linie und hat mE überdurchschnittliche Reaktionen. Ein LESEN einer Spiel-Situation geht ihm aber mE ab... Was mich dann auch zum Thema LANGERAK bringt! *** ICH (ganz persönlich!) sehe einen TW, der sich Jahre seiner Karriere hinter einem Roman 1.0 angestellt hat und für MICH in seinen Partien nicht nur toll, sondern EXTREM TOLL aufgetreten ist. Jetzt versetze ich mich in Mitch und denke mir: >>Was für eine Scheiße! Woran habe ich eigentlich die ganze Zeit geglaubt, wenn ein TW von einem (guten) Absteiger kommt und mich verdrängt? Bei NEUER respektive seiner KLASSE hätte ich ja Verständnis, aber so?!<< DAS, Engin, das will mir nicht in meinen Schädel. Und das Argument, "weil er so günstig zu haben war", lasse ich bei Lebensmittel-Angeboten gelten, aber nicht bei Spielern (MENSCHEN). Was ist das für eine Betrachtungsweise? Sorry, aber da kommt mir beim Schreiben schon das Kotzen... *** Und getz hör' ich besser mal auf!

  • Benutzer-Avatarbild

    bvbRotti -

    Aber auch nur, weil Mitch weg ist... ......... Engin, habe ich gelesen und werde ich ganz sicher auch kommentieren. Allerdings nicht jetzt, da es schon zu spät ist. DANKE für deine Einschätzung!