Hummels trifft den Nagel auf den Kopf!

  • Mats Hummels äußerte sich nun erstmals in größerem Ausmaße zu seiner Person und der Berichterstattung vieler Medien. In den vergangenen Wochen musste der Kapitän viel Kritik einstecken und sich mit Wechselgerüchten herumschlagen. Dass ihm dann auch noch Worte in den Mund gelegt wurden, die er niemals ausgesprochen hat, verschärfte die Situation noch. Doch der 26-jährige will sich davon nicht unterkriegen lassen.

    Ich habe mich dazu entschlossen, anhand dieser Aussagen von ihm, einen Blog zu verfassen, in dem ich meine Meinung zu ihm und seinen Aussagen ausführlich darlege. Dazu werde ich immer wieder auf einzelne Textstellen dieses Interviews mit dem kicker Sportmagazin eingehen und diese auch zitieren. Wer das gesamte Interview lesen möchte, der muss sich die aktuelle Montagsausgabe (Nr. 98, 30.11.2015) kaufen.

    Anfangen möchte ich direkt einmal mit seiner Ansicht zur medialen Kritik bezüglich seiner Person und seiner Spielweise.

    "Ich fühle mich definitiv falsch bewertet und sehe meine Leistungen ehrlich gesagt auch besser als manches Medium."

    In dieser Aussage steckt sehr viel drin. Einerseits verteidigt er sich und seine Leistungen damit, was sein gutes Recht ist, andererseits bietet er wieder eine Angriffsfläche. Dass Kritik nach den vergangenen Wochen angemessen war, ist meines Erachtens selbstverständlich. Nicht selten sah er bei Gegentoren sehr unglücklich aus. Dabei war sein Kopfballeigentor gegen den Hamburger Sport-Verein nur die Spitze des Eisberges. Dennoch muss ich auch deutlich machen, dass er garantiert nicht der alleinige Schuldige bei Gegentoren ist und war. Und ganz wichtig anzumerken ist, dass Hummels momentan der drittbeste Zweikämpfer der Liga ist. Er gewinnt 70,3 Prozent seiner Zweikampfduelle - zum Vergleich: Jerome Boateng, der beste in dieser Kategorie, kommt auf einen Zweikampfwert von 71,1 Prozent.

    "Erstens ärgere ich mich für das Team, dass das Gegentor gefallen ist und zweitens, dass es durch mich gefallen ist."

    Es würde vermutlich niemanden interessieren, wenn man statt mit 0:1 mit 4:1 vom Platz gehen würde. Und da geht meine Kritik ganz deutlich an die Offensivabteilung. Wären die Chancen bei Spiel gegen Krasnodar verwertet worden, hätte man mit 4:1 oder höher gewonnen und es würde heute niemand mehr über den von Hummels verschuldeten Elfmeter sprechen. Ihm ist selbstverständlich bewusst, wenn er einen Fehler gemacht hat und so konnte ich auch die Kritik, er habe nach dem Eigentor auch noch gelächelt, nur sehr geringfügig nachvollziehen.

    "Ich weiß, wann ich Fehler mache, und ich weiß, wann ich keine mache. Deshalb war ich vor allem nach dem Hamburg-Spiel mit vielem in der Berichterstattung nicht einverstanden. Das Eigentor ausgenommen, konnte man mir nicht viel ankreiden."

    Genau diese Selbsteinschätzung und -bewertung ist es, die ich an Hummels enorm schätze. Und er trifft damit den Nagel auf den Kopf, denn es stimmt in meinen Augen vollkommen. Das Problem liegt jedoch darin, dass die negativen Szenen einfach viel deutlicher im Gedächtnis hängen bleiben und - und da kommen wir dann wieder zum ersten Zitat - dann natürlich von den Medien aufgegriffen werden. Als Defensivspieler oder auch als Torhüter fallen Fehler stets schwerer und deutlicher auf, als bei einem Offensivspieler. Der Offensivspieler spielt einen Fehlpass und hinter ihm sind noch zehn Spieler, die den Ball wieder zurückerobern können. Der Verteidiger spielt einen Fehlpass und der gegnerische Angreifer steht direkt vor dem Torhüter. Darauf zielt auch eine weitere Aussage des Nationalspielers ab:

    "Mir ist aufgefallen: Wenn ich acht Zweikämpfe gewinne und einen verliere, werden bei mir nicht die gewonnenen erwähnt, sondern dieser verlorene. Bei Pässen ist das ähnlich."

    Es ist einfach ein normaler Gedankengang und als Verteidiger gibt es nicht so viele Szenen, in denen man sich in die Köpfe der Fans und Journalisten spielen könnte. Bei 3:1-Derby-Erfolg aus der Spielzeit 2010/11 spricht man noch immer von der Sternstunde von Shinji Kagawa - aber es erinnert sich niemand mehr daran, wer die Abwehrarbeit geleistet hat.

    Zuletzt möchte ich noch kurz auf die Aussage eingehen, in der er gesagt haben soll, er sei "nicht mit dem BVB verheiratet":
    "Diesen Satz habe ich im Leben noch NIE benutzt! Und ich habe ganz ehrlich ein Problem damit, dass so etwas einfach erfunden wird und jeder vom anderen abschreibt. Es ist traurig, dass das heute so funktioniert und zur gefühlten Wahrheit wird."

    Ein perfektes Statement und meines Erachtens die wichtigste Aussage im gesamten Interview! Selbst wenn er diesen Satz gesagt hätte, hätte ich es ihm nicht übel genommen, aber darüber muss man sich nun keine Gedanken mehr machen. Und ich stimme Hummels vollkommen zu: Es ist traurig, wenn etwas Erfundenes plötzlich als Wahrheit hingestellt wird. In diesem Sinne, achtet darauf, was wahr ist und was nicht und vorverurteilt einen Spieler/Menschen nicht sofort.

    Und Mats wünsche ich alles Gute, eine verletzungsfreie restliche Karriere - hoffentlich in schwarzgelb - und ein dickes Fell. Denn er soll sich bitte nicht verbiegen lassen und so bleiben, wie er ist - einer der weltbesten Innenverteidiger!

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Kommentare 1

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    usbjt -

    Schöne Zusammenfassung. Ich habe das Interview ganz gelesen, und ein Zitat "fehlte" mir noch bzw. hätte ich noch mit gebracht, weil es so "schön banal" ist: Mats sagte: "Als Innenverteidiger werde ich mein Leben lang an Gegentoren beteiligt sein. Das ist einfach so." Weiß doch jeder, könnte man meinen. Die Kritik-Lawine spricht dagegen. Oder dafür, dass Leute wider besseres Wissen schreiben.