Schwarzgelb gewinnt an der Weser

  • Borussia Dortmund ging als Tabellenzweiter und damit auch als klarer Favorit in die Begegnung des elften Spieltages. Dieser Favoritenrolle wurden die Gäste auch vom Anpfiff an gerecht, wobei Werder Bremen auch keine größeren Bemühungen bestrebte, den Gegner an seinem Ballbesitzfußball zu stören. Stattdessen stellte sich die Mannschaft von Trainer Viktor Skripnik kompakt in die eigene Hälfte und versuchten, die Borussen nicht in ihren Strafraum zu lassen. Bis zur 9. Spielminute funktionierte dies auch sehr ordentlich, doch Mittelfeldstratege Ilkay Gündogan schaffte es schließlich mit einem Ball, die zu diesem Zeitpunkt sechs Mann starke Abwehrkette zu durchbrechen. Sein strammer Pass landete exakt im Lauf von Henrik Mkhitaryan und damit im Strafraum des Gastgebers. Dort legte der Armenier den Ball quer nach links ab - eigentlich auf Stürmer Aubameyang. Doch Felix Wiedwald versuchte, den Querpass noch abzuwehren und kam auch mit dem Fuß noch dran. Allerdings legte er ihn damit perfekt für den heranstürmenden Marco Reus vor und dieser schob den Ball natürlich sofort zur Führung für die Auswärtsmannschaft in die Maschen.

    Nach dem frühen Gegentor versuchte Werder Bremen, nun auch selber Akzente im Spiel zu setzen. Das gelang streckenweise und führte den Gastgeber einige Male in Strafraumnähe, auch wenn es ihnen nie gelang, den Dortmunder die Spielkontrolle komplett zu entreißen - allerdings steigerten sie sich stetig, ließen hinten zudem keinerlei größere Torchancen mehr zu. Belohnt wurde das Engagement in der 32. Spielminute. Über die rechte Seite kombinierte sich Bremen bis in den Strafraum, wo Fin Bartels den Ball in die Mitte für Florian Grillitsch ablegt. Der 20-jährige Österreicher, der in der vergangenen Saison noch für die zweiter Mannschaft des SVW in der Regionalliga Nord kickte, schoss die Kugel an Torhüter Roman Bürki vorbei, doch Matthias Ginter konnte gerade noch mit dem Fuß vor der Linie retten. Seine Rettungstat landete jedoch genau auf dem Fuß von Anthony Ujah, der eiskalt zum Ausgleich einnetzte. Gleichzeitig war es für den Neuzugang aus Köln der erste Bundesliga-Treffer vor heimischem, vor Bremer Publikum. Über den gesamten Verlauf der Kombination bis hin zum Treffer, war immer ein Dortmunder Spieler in Ballnähe, allerdings nie mit der letzten Entschlossenheit, was letztlich zu dem Gegentreffer führte.

    Gestärkt durch den Ausgleichtreffer kamen die Grün-Weißen immer besser in die Partie und zu weiteren Chancen. Die beste Tormöglichkeit bot sich in der 35. Minute, als Janek Sternberg, ebenfalls ein Bremer Eigengewächs, den Ball von der linken Außenbahn ins Strafraumzentrum flankte. Dort stieg der freistehende Junuzovic zum Kopfball hoch, verfehlte das Dortmunder Gehäuse aber um wenige Zentimeter. Es sollte die letzte Tormöglichkeit für die Gastgeber in der ersten Halbzeit bleiben, denn von nun an, riss Schwarzgelb das Spielgeschehen wieder an sich und lief quasi gegen elf "Verteidiger" an. Lange Zeit wurde man so vom gegnerischen Tor weggehalten, jedoch fand der BVB nach einem Freistoß in der 44. Minute doch noch den Weg zum Tor. Der abgewehrte Ball wird von Kagawa zurückerobert, der den Ball auf die linke Seite zu Mats Hummels passte. Der Innenverteidiger zirkelte die anschließende Flanke genau auf den Kopf von Mkhitaryan und der stehengelassene Mittelfeldspieler köpfte zur 2:1 Führung für die Gäste. Es war seine sportliche Antwort darauf, dass er vor Spielbeginn etwas von einem Bremer Fan an den Kopf geworfen bekam (der Fan war bereits identifiziert und abgeführt worden, der BVB verzichtet auf eine Anzeige bei der DFL). Damit ging es letztlich auch in die Halbzeitpause.

    Die zweite Halbzeit hatte, ebenso wie die erste, bereits nach wenigen Minuten eine riesige Torchance für Schwarzgelb. Es waren fünf Minuten gespielt, als Mkhitaryan den Ball in den Strafraum lupfte. Dort nahm Aubameyang die Kugel technisch perfekt mit der Brust an, ließ ihn einmal auf dem Boden aufschlagen und schoss ihn dann - über das Tor. Damit vergab er auch die Chance auf die alleinige Führung in der Torschützenliste. Währenddessen wurde das Spiel robuster und immer wieder rief Schiedsrichter Tobias Welz die Spieler zu sich, um nach kleineren Foulspielen und Provokationen zu schlichten. Doch seine Ansprachen halfen nur wenig und so war es letztlich Sternberg, der in der 55. Minute die erste Gelbe Karte der Partie zu sehen bekam, weil er Marco Reus gefoult hatte. Aber erst nachdem Fritz in der 60. und Galvez in der 64. Minute ebenfalls verwarnt worden waren (beide hatten jeweils Henrikh Mkhitaryan gefoult), beruhigte sich das hitzige Geschehen wieder.

    Aubameyang bekam in der 72. Minute nochmals die Möglichkeit, die Führung der Torschützenliste zu übernehmen, allerdings scheiterte er nach einem genialen Zuspiel von Ilkay Gündogan freistehend erst an Keeper Wiedwald und anschließend an Gebre Selassie, der mittlerweile herangeilt war und sich zwischen Tor und Spieler gestellt hatte. Eine Minute später sollte stattdessen Marco Reus die BVB-Fans etwas beruhigen. Mkhitaryan sah den freien Raum und spielte den an der Strafraumgrenze stehenden deutschen Nationalspieler an. Der machte noch einen Schritt und schoss den Ball gezielt in den linken Winkel. Damit hatte Schwarzgelb nun eine Zwei-Tore-Führung und das Spiel merkbar für sich entschieden. Einziges weiteres "Highlight" war bloß noch die Schiedsrichter-Auswechslung in der 84. Minute. Den Polizeibeamten Welz aus Wiesbaden plagten muskuläre Probleme und so übernahm der vierte Offizielle Norbert Grudzinski, der normalerweise Schiedsrichter in der 2. Bundesliga ist, dessen Aufgaben. Die dadurch verlorene Spielzeit wurde später in der Nachspielzeit von fünf Minuten deutlich. Doch es änderte sich nichts mehr am Ergebnis und so sicherte sich der BVB mit einem 3:1-Sieg weitere drei Punkte in der Tabelle und kommen sogar bis auf fünf Punkte an den Spitzenreiter Bayern München heran.


    INFORMATIONEN ZUM SPIEL

    SV Werder Bremen: Wiedwald - Gebre Selassie, Galvez, Vestergard, Sternberg - Bargfrede, Fritz (K), Junuzovic, Grillitsch - Bartels, Ujah // Borussia Dortmund: Bürki - Ginter, Sokratis, Hummels (K), Park - Gündogan, Weigl - Mkhitaryan, Kagawa, Reus - Aubameyang

    Eingewechselt: 77. Lorenzen für Grillitsch, 83. Fröde für Fritz und Pizarro für Bartels - 77. Castro für Reus und Schmelzer für Park, 85. Piszczek für Gündogan // Reservebank: Zetterer (TW), Lukimya, Öztunali, Garcia Lopes - Weidenfeller (TW), Bender, Januzaj, Ramos // Es fehlten: Wolf (TW, Hüftverletzung), Zander (Bänderriss), Yildrim (Knieprobleme), Johannsson (Adduktorenbeschwerden) - Sahin (Sehnenreizung), Durm (Knie-OP)

    Tore: 0:1 Reus (9., Rechtsschuss, Mkhitaryan), 1:1 Ujah (32., Rechtsschuss, Grillitsch), 1:2 Mkhitaryan (44., Kopfball, Hummels), 1:3 Reus (72., Rechtsschuss, Mkhitaryan)

    Schiedsrichter: Tobias Welz (Wiesbaden) - Assistenten: Rafael Foltyn, Dr. Martin Thomsen - Vierter Offizieller: Norbert Grudzinski // Stadion: Weserstadion (Bremen) // Zuschauer: 42.100 (ausverkauft) // Gelbe Karten: 55. Sternberg, 60. Fritz, 64. Galvez - // Gelb-Rote Karten: keine // Rote Karten: keine

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