Arbeitssieg!

  • Es war eine anstrengende Begegnung und das, obwohl Borussia Dortmund das Spielgeschehen von Beginn an dominierte und bestimmte. Man kombinierte auf engstem Raum, doch die Defensive des Berliner Sport-Clubs stand eng und gut gestaffelt, was ein Durchkommen anfangs unmöglich machte. So war es auch nicht unbedingt verwunderlich, dass es ein Berliner war, der zu der ersten (Halb-)Chance kam. Ausgegangen war die Situation von Aubameyang, der einen Fehlpass genau in die Füße von Johannes van den Bergh spielte. Dessen langer Ball in die Spitze landete genau im Lauf des gerade startenden Genki Haraguchi - beide Dortmunder Innenverteidiger konnten seinen schnellen Antritt nicht mithalten. Doch an der Strafraumgrenze zögerte der Japaner für einen kurzen Augenblick, was Mats Hummels die Möglichkeit gab, ihm doch noch den Ball vom Fuß zu spitzeln.

    Den ersten wirklichen Torabschluss gab es erst zwei Minuten später. Marcel Schmelzer versuchte, Hertha-Keeper Thomas Kraft mit einem Distanzschuss zu überwinden, allerdings ohne Erfolg, denn der Ball landete genau in den Armen des Schlussmannes. Es wechselte sich ab mit den Strafraumaktionen und so waren es in der 20. Minute wieder die Berliner, die die bis dahin beste Tormöglichkeit verzeichneten. Der dahin führende Spielzug, begann bei Thomas Kraft, der den Ball zu seinem Verteidiger Brooks spielte. Von dort gelangte der Ball über den linken Flügel zu Van den Bergh, der wiederum ins Zentrum spielte, wo Haraguchi wartete, um ihm den Ball nach seinem kurzen Sprint wieder aufzulegen. Schon hatte man die Defensive des Gastgebers ausgehebelt. Die anschließende Flanke von der Grundlinie fälschte Mats Hummels beim Befreiungsversuch unglücklich mit dem Rücken in die Strafraummitte ab - und dort stand unbedrängt Vladimir Darida. Der Tscheche nahm den Ball direkt aus der Luft, sein Schuss setzte noch einmal auf ehe Bürki diesen abwehren konnte. Letztlich war es Weigl, der die Kugel anschließend aus dem Strafraum katapultierte.

    Schiedsrichter Guido Winkmann pfiff nach 23 anstrengenden Minuten für beide Teams erstmal zur Trinkpause - verständlich bei Temperaturen um die 30°C und einem Spielfeld, das beinahe komplett in der Sonne lag. Die nächste nennenswerte Aktion gab es zu Beginn der 27. Minute: Einen Reus-Freistoß aus dem Halbfeld köpfte Fabian Lustenberger ins Toraus und verhinderte so eine Ballannahme von Aubameyang. Auch der anschließende Eckball wurde von Marco Reus ausgeführt - in diesem Fall kurz auf Kagawa. Und Kagawa hatte neben sich zwar Valentin Stocker, der aber bloß Begleitschutz spielte und nicht ernsthaft versuchte, die Flanke zu verhindern. Hätte er mal lieber machen sollen, denn so kam der Ball hoch an den zweiten Pfosten und dort vollendete Hummels per Kopf. Der Führungstreffer für Schwarzgelb und Partystimmung auf den Rängen - zumindest auf denen mit schwarzgelb gekleideten Personen.

    Das Gegentor versetzte dem Hauptstadtklub erstmal einen Schock - zumindest der Offensive. Von nun an, ließen die Gäste dem Gastgeber fast vollständig den Ball, verzichteten auf weitere Offensivaktionen und konzentrierten sich beinahe ausschließlich darauf, kein zweites Gegentor vor der Halbzeitpause zu kassieren. Währenddessen versuchte die Mannschaft von Thomas Tuchel, das Abwehrbollwerk der Berliner mit langen Bällen zu überwinden - ohne Erfolg. Henrikh Mkhitaryan entschied sich in der 39. Minute zu einer beeindruckenden Einzelaktion. Mit einer immensen Schusskraft hämmerte er die Kugel aus etwa 19 Metern auf das Gäste-Tor. Thomas Kraft bekam die Fäuste jedoch rechtzeitig noch hoch und konnte den 120-km/h-Schuss des Armeniers ins Toraus ablenken. Es war die letzte Strafraumszene der ersten Halbzeit. Einzig Johannes van den Bergh sorgte nochmal für einen kleineren Aufreger, als er kurz vor dem Halbzeitpfiff Kagawa von den Beinen holte, damit dieser keinen weiteren Angriffszug einleiten konnte - damit hatte er sich die erste Gelbe Karte des Spiels mehr als verdient.

    Schnell gab es auch nach Wiederanpfiff den ersten Aufreger. Marco Reus legte nach zwei gespielten Minuten den Ball im Strafraum quer zum einlaufenden Mkhitaryan. Doch bevor der an den Ball kommen konnte, stürzte er - dicht neben ihm Peter Pekarik. Die Dortmunder forderten einen Elfmeter, denn eine Berührung war ersichtlich. Doch Guido Winkmann entschied richtig: Für einen Strafstoß reichte diese Berührung nicht aus. Kurze Zeit später sah der zur Halbzeit eingewechselte Neuzugang Mitchell Weiser als zweiter Berliner die Gelbe Karte, nachdem er Dortmunds jungen Mittelfeldstrategen Julian Weigl von hinten abräumte. Keine 60 Sekunden später, in der 51. Spielminute, kombinierten sich die Schwarzgelben sensationell zum zweiten Tor. Wieder war es Kagawa, der den Grundstein legte. Er spielte den Ball über die Köpfe hinweg auf die rechte Strafraumseite. Dort war gerade Matthias Ginter eingelaufen und der Piszczek-Vertreter hatte die Übersicht, legte den Ball uneigennützig und mit viel Gefühl in die Mitte, wo Aubameyang das 2:0 erzielte - das war einen Salto wert, dachte man doch beinahe, es wäre die Vorentscheidung gewesen.

    Eine unschöne Szene gab es in der 56. Minute: Sokratis hatte Darida mit einer Grätsche den Ball vom Fuß geklaut, was der Berliner überhaupt nicht lustig fand. Doch was dann kam, gehört eigentlich in die unterste Schublade. Nachdem Sokratis wieder aufgestanden war, trat der Berliner Neuzugang noch am Boden liegend nach. Der Schiedsrichter und seine Assistenten sahen es nicht - sonst wäre es wohl Dunkelgelb geworden. Doch der Grieche konnte es verschmerzen, leitete er mit seinem Ballgewinn doch einen Konter ein. Aubameyang stand am Ende der Verwertungskette, doch sein wuchtiger Schuss aus etwa 22 Metern rauschte knapp über die Querlatte hinweg. Doch auch ohne das dritte Tor hatte Dortmund die Partie im Griff, einzig in der 64. Minute wurde es nochmal gefährlich. Einen Freistoß aus dem Halbfeld lenkt Lustenberger im Strafraum noch ab, aber Roman Bürki zeigt seine Klasse und kann den Ball dank einer schnellen Reaktion noch abwehren, Marcel Schmelzer schlug den Ball dann aus dem Strafraum.

    Pal Dardai gab sich aber noch nicht geschlagen und richtete sein System durch Einwechslungen offensiv aus, was auch dem Gastgeber zugutekam. Allerdings bekam man den Ball nicht zum dritten Tor in die Maschen gedrückt. In der 72. Minute scheiterte Kagawa nach einem unglücklichen Abspiel von Thomas Kraft am freien Tor, drei Minuten später verzog Mkhitaryan seinen Schuss, alleine vor dem Keeper stehend. Das sollte sich rächen, denn in der 78. Minute erzielte der eingewechselte Salomon Kalou den Anschlusstreffer. Darida schoss von links, Bürki wehrte ab und Kalou staubte schließlich ab. Allerdings stand der Stürmer zum Zeitpunkt der Ballabgabe durch Darida deutlich im Abseits und durch die Berührung des Balles durch Bürki entstand keine neue Situation, was den Treffer irregulär machte. Doch da das Schiedsrichtergespann die Abseitsstellung übersah, erklärten sie den Treffer zur Überraschung aller Beteiligten und vor allem Kalous für regelkonform - und damit wurde das erste Pflichtspiel-Gegentor für Bürki anerkannt.

    Danach wurde es nochmal spannend. Hertha drückte auf den Ausgleichstreffer, der BVB auf den Ausbau seiner Führung. Adrian Ramos, eingewechselt für Reus, hatte eine weitere Dortmunder Torchance in der 80. Minute, doch auch er scheiterte - diesmal an Thomas Kraft. Zwei Minuten später griff der eingewechselte Alexander Baumjohann im Dortmunder Strafraum in sein Schauspiel-Repertoire und hob ohne gegnerische Berührung ab - Glück für ihn, dass es dafür nicht die Gelbe Karte gab. Eine weitere Minute später hatte Mkhitaryan den Torhüter bereits umkurvt, doch sein Schuss aufs leere Tor verfehlte sein Ziel meterweit. Erst in der Nachspielzeit konnten die Dortmunder das Spiel für sich entscheiden. Im Berliner Strafraum kombinierte sich die Tuchel-Elf zu ihrem dritten Tor. Weigl passte auf Kagawa, der legte zurück auf Mkhitaryan, der den Ball wiederum mit der Hacke zu Adrian Ramos weiterleitete und der Kolumbianer war vor Kraft am Ball und schob die Kugel über die Torlinie - die Entscheidung war gefallen, Dortmund war wieder alleiniger Tabellenführer!


    DIE DATEN IM ÜBERBLICK:


    Borussia Dortmund: Bürki - Ginter, Sokratis, Hummels, Schmelzer - Gündogan (79., Piszczek), Weigl - Mkhitaryan, Kagawa, Reus (79., Ramos) - Aubameyang (71., Hofmann)

    Hertha BSC: Kraft - Pekarik, Langkamp, Brooks, Plattenhart - Lustenberger, Skjelbred (58., Baumjohann) - Stocker (46., Weiser), Darida, Van den Bergh (71., Kalou) - Haraguchi

    Schiedsrichter: Guido Winkmann (Kerken, Nordrhein-Westfalen)

    Gelbe Karten:
    Van den Bergh (45.), Weiser (50.)

    Tore: 1:0 Hummels (27., Kagawa), 2:0 Aubameyang (51., Ginter), 2:1 Kalou (78., Darida), 3:1 Ramos (90.+3, Mkhitaryan)

    Stadion: Signal Iduna Park (Dortmund)

    Zuschauer: 80.500 (nicht ausverkauft)


    DAS SAGTE THOMAS TUCHEL ZUM SPIEL:

    "Ich denke, es war offensichtlich, dass wir uns heute schwergetan haben, ins Spiel zu kommen und wahrscheinlich auch den äußeren Bedingungen und den vielen Spielen in der letzten Zeit etwas Tribut gezollt haben. Es ist uns schwer gefallen, Tempo reinzubringen, was auch daran lag, dass Hertha sehr tief und sehr eng verteidigt hat. Der Platz hat etwas gelitten vom letzten Spiel, die Temperaturen waren sehr heiß und wir hatten nicht die Passabstände, die es braucht, um dann auch wirklich Tempo in die Aktionen zu bekommen. Wir hatten dann tatsächlich zweimal Glück - oder was heißt Glück, wir mussten zweimal im letzten Moment sehr aufmerksam verteidigen um nicht in Rückstand zu geraten. Wir konnten mit einer Standardsituation in Führung gehen und haben es dann besser gemacht - hatten einen besseren Zugriff, ein bisschen mehr Vertrauen und so sind uns die Dinge leichter gefallen. In der zweiten Halbzeit waren wir nochmal einen Tick besser und haben gegen einen komplett verteidigenden Gegner ein tolles Tor zum 2:0 geschossen. Danach dachten wirklich alle die unten am Rand waren, dass wir damit auch die heutige Entscheidung geschafft haben, weil wir sehr konzentriert und sehr dominant waren und auch weiterhin hochkarätige Torchancen hatten. Dann mussten wir leider ein Abseitstor hinnehmen und wie es dann so ist, steigt nochmal die Anspannung - es wird nochmal eng und plötzlich musst du dich nochmal aufraffen und eine Widerstandsfähigkeit entwickeln. Dass haben wir heute gut gemacht, deshalb bin ich auch sehr zufrieden. Wir hatten noch einige Male die frühzeitige Entscheidung auf dem Fuß und ich freue mich, dass es dann so geklappt hat, wie es geklappt hat - ein sehr emotionales Ende. Es freut mich für Adrian, für die Mannschaft und für alle Zuschauer im Signal Iduna Park, dass wir so einen Schlusspunkt dann nochmal setzen konnten. Die Leute haben gesehen, dass es uns schwer fiel, sie haben gesehen, dass wir da aber eine Widerstandsfähigkeit entwickelt haben, einen Siegeswillen, unter allen Umständen das ziehen wollten. Dementsprechend ist die Stimmung bei uns und in der Mannschaft. Verdientermaßen freuen wir uns sehr darüber."

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