There is only one Peter Stöger

  • Ein paar Worte zu/für unserem scheidenden Trainer.


    Mit diesem Spiel beim Los Angeles FC in den fernen USA endet also endgültig deine Zeit als Trainer von Borussia Dortmund. In einem Beitrag nach dem letzten Saisonspiel habe ich diese kurze Reise mit einer Abschlussfahrt in der Schule verglichen. Eine Reise, die du dir aus meiner Sicht total verdient hast.

    Bin ich von deinem Wirken in dem halben Jahr in gewisser weise Enttäuscht? Ja, das gebe ich unumwunden zu. Trotz einer guten Ausgangssituation bis zur letzten Minute der Saison zittern zu müssen, wie es mit dem BVB in der kommenden Saison weitergeht hätte ich mir ehrlich gesagt nicht erträumen lassen, zu gut war die Ausgangslage vor den letzten Spielen, zu schlecht hat man sie genutzt. Zu gering empfand ich auch die spielerische Entwicklung seit deiner Übernahme, zu selten ist deine Handschrift abseits der taktischen Ausrichtung in den spielerischen Elementen durchgedrungen.
    Zugleich empfinde ich auch große Dankbarkeit für dein Engagement hier, ja sogar eine Traurigkeit über den Abschied macht sich breit, da ich dich durchaus für einen guten Trainer halte, was die vergangenen Jahre in Köln und auch in Österreich bei der Austria bewiesen haben.

    Ich empfinde Dankbarkeit dafür, dass du es mit der Aufnahme Deiner Tätigkeit mit zwei Auftaktsiegen direkt geschafft hat wieder eine Aufbruchstimmung bei einer von Niederlagen geplagte Fanseele zu erzeugen. Eine Aufbruchstimmung die sich in "There is only one Peter Stöger" manifestiert.

    Ich empfinde Dankbarkeit dafür, dass es spätestens mit dieser Amtszeit allen klar geworden ist, dass das Problem nicht der Trainer war, sondern die Spieler und das Mannschaftsgefüge.
    Dankbarkeit dafür, dass du es mit unterschiedlichen Taktiken und Ausrichtungen versucht hast, auch das spielerische Element in dieser Mannschaft zu beleben, nur um am Ende resigniert festzustellen, mit was für einen Haufen du es wirklich zu tun hattest.
    Dankbar bin ich auch dafür, dass du auch unserer Vereinsführung deutlich gemacht hast, dass wirklich Räder ausgetauscht werden müssen anstatt nur ein paar Rädchen, von denen jeder mit Beginn deiner Tätigkeit ausgegangen ist, wahrscheinlich auch du selbst.
    Ich empfinde Dankbarkeit dafür, dass du es immer als großes Privileg und als große Ehre angesehen hat bei Borussia Dortmund, unserem Verein, Trainer gewesen zu sein, trotz all der Probleme die im Laufe deiner kurzen Zeit hier in Erscheinung getreten sind. Du machtest nie ein Hehl daraus, dass seine Liebe immer noch dem 1.FC Köln gilt, keiner kann es dir nach all der Zeit verübeln, weil du ja auch nie wirklich Gelegenheit hattest, diese Zeit nach deinem dortigen Ende wirklich mal wirken zu lassen, trotzdem hast du versucht Nähe zu unserem Verein und auch uns als Fans zu entwickeln. Auch wenn es vielleicht nur dem Zweck diente uns alle zu beruhigen.

    Ich empfinde auch Dankbarkeit dafür, dass du einem Neuanfang nicht im Wege stehst. Zumindest denke ich, dass es eine Möglichkeit der Weiterbeschäftigung gegeben hätte, wenn du es wirklich gewollt hättest, stattdessen hast du es bei der Rolle als denjenigen, der die Baustellen in der Mannschaft mit Watzke und Zorc klar ansprach. Es sind solche Zeiten, wo es auch mal gut sein kann, wenn man frühzeitig weiß, dass es nicht weiter geht. Man kann klar die Probleme ansprechen ohne das es einen wirklich groß kümmern muss, dass man es sich mit dem einen oder anderen Spieler verscherzt. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Wege mit ihnen wirklich ein weiteres Mal kreuzen ist ja eher gering.
    Da die Mannschaft auch auf dem Feld etwas sicherer Stand, bin ich sogar dankbar für deine ruhige Art auf der Trainerbank. Sicher, eine grundsätzliche Unsicherheit konntest du nie vertreiben, zu schlecht war das spielerische mit teilweise haarsträubenden Abwehrfehlern, aber irgendwie habe ich deine ruhige Art im Zusammenspiel mit einer allgemein etwas ruhigeren und stabileren Spielweise der Mannschaft einfach besser abgekauft als bei deinem Vorgänger Peter Bosz, der ruhig dabei zusah, wie die Mannschaft mal wieder Harakiri beging.

    Bei Peter Bosz war das aktive Sterbehilfe, weil er die Mannschaft nicht vom Selbstmord abhielt.
    Bei dir war es hingegen der Versuch von Außen Ruhe und Sicherheit in eine verunsicherte Mannschaft zu bringen.

    Zumindest habe ich beides jeweils so empfunden.

    Auch wenn ich über die Art und Weise, wie eingangs erwähnt, enttäuscht bin, bin ich letztendlich auch Dankbar dafür, dass du als Kapitän und Steuermann dieses havarierten Schiffes namens BVB es doch noch sicher in den Hafen namens Champions-League geschafft hast und du uns damit die bestmögliche Ausgangsposition für den vielbeschworenen Neuanfang gegeben hast. Mögen die Schiffsbesitzer die richtigen Reparaturarbeiten durchführen, damit sie mit deinem Nachfolger, Kapitän Lucien Favre zumindest wieder das zweitbeste Schiff auf dem deutschen Fußballmeer besitzen, was auch in der Lage ist, auch das beste zu werden.

    Ich kann dir nicht versprechen, das wirklich irgendwas von deiner Zeit hier solange hängen bleiben wird, dass ich mich auch noch in 10 Jahren daran erinnern werde. Aber zumindest werde ich ab heute, jedes Mal, wenn ich was von Peter Stöger lese oder höre, immer an eine gewisse Dankbarkeit denken, die meinen Körper durchströmt.

    Ich hoffe die Abschlussfahrt ins ferne Los Angeles war ein Ereignis, was dafür sorgt, dass du dich gut an uns erinnern wirst und auch ein Ereignis ist, was du in Zukunft immer positiv mit Borussia Dortmund in Verbindung bringen wirst.

    Ich wünsche dir eine schöne Sommerpause mit einem entspannten Blick auf die Weltmeisterschaft und wünsche dir die Zeit, um all die schöne Zeit in Köln und das anstrengende letzte halbe Jahr hier in Dortmund zu verarbeiten

    Ich bin mir sicher, dass wir dich irgendwann als Gast einer gegnerischen Mannschaft wieder im Westfalenstadion begrüßen dürfen, wo ich hoffe, dass man dich angemessen als Freund und Helfer empfängt.
    Und wer weiß, vielleicht gibt es bis dahin die Erkenntnis, dass deine Zeit hier der Wendepunkt zu einem komplett neuen Erfolgskapitel bei Borussia Dortmund gewesen ist.

    "There is only one Peter Stöger"

    :danke:

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